Die Schweiz steht vor einem tiefgreifenden Wandel in der Gesundheitsversorgung – und dabei spielt das Netzwerk 4Net eine zentrale Rolle. Seit seiner Gründung 2017 verbindet es Krankenhäuser, Spitäler, Forschungseinrichtungen und digitale Anbieter, um die Effizienz der elektronischen Gesundheitsdaten zu steigern. Das Projekt ist kein isoliertes Pilotprogramm, sondern ein strategischer Baustein der Schweizer Gesundheitsreform, der auf die Herausforderungen einer digitalisierten Medizin reagiert. Besonders im Fokus steht dabei die Interoperabilität: Statt isolierte Systeme zu nutzen, sollen Daten flüssig zwischen verschiedenen Akteuren ausgetauscht werden können – etwa zwischen ambulanten und stationären Behandlungen oder zwischen Ärzten und Apotheken. Die Idee ist klar: Weniger manuelle Datenpflege, weniger Fehlerquellen und eine schnellere Versorgung für Patient:innen.
Ein konkreter Erfolg des Netzwerks ist der Ausbau der elektronischen Patientenakte (ePA). Seit 2021 können Patient:innen in über 80 Prozent der Schweizer Kantone ihre medizinischen Unterlagen digital abrufen und aktualisieren. Besonders in ländlichen Regionen hat dies eine spürbare Entlastung für Ärzte bedeutet, die bisher oft auf papierbasierte Akten angewiesen waren. Doch die Herausforderung bleibt: Trotz Fortschritten gibt es noch Lücken bei der Integration von Spezialisten wie Radiolog:innen oder Psycholog:innen. Hier zeigt sich, dass 4Net nicht nur eine technische, sondern auch eine politische Frage ist – denn die Zusammenarbeit zwischen Kantonen und Bundesbehörden erfordert Kompromisse.
Ein weiteres zentrales Element des Netzwerks ist die Entwicklung von Standards für die Datenverarbeitung. Hier setzt 4Net auf offene Schnittstellen, die es verschiedenen Anbietern ermöglichen, ihre Systeme untereinander zu verbinden. Ein Beispiel ist die Integration des Schweizerischen Gesundheitsdatenverbunds (SGDV), der seit 2020 die Daten von über 1,5 Millionen Patient:innen zentralisiert. Dadurch können Ärzte in Echtzeit auf historische Behandlungen zugreifen – etwa bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes. Doch trotz dieser Fortschritte bleibt die Datensicherheit ein kritischer Punkt. Die Schweiz hat zwar strenge Datenschutzgesetze, doch die Umsetzung in der Praxis zeigt, dass viele Spitäler noch nicht ausreichend geschützt sind. Hier könnte 4Net durch Schulungen und technische Lösungen eine größere Rolle spielen.
Die Kosten des Projekts sind zwar hoch, aber die Investitionen sind gerechtfertigt. Laut einer Studie der Universität Zürich beliefen sich die Einsparungen durch digitale Prozesse 2022 auf rund 200 Millionen Franken pro Jahr. Besonders profitieren dabei kleinere Krankenhäuser, die sonst oft nicht in teure Systeme investieren können. Dennoch gibt es Kritik an der Finanzierung: Während einige Kantone wie Zürich oder Genf bereits stark in die Digitalisierung investiert haben, kämpfen andere, wie das Kanton Aargau, mit langsameren Fortschritten. Dies zeigt, dass 4Net nicht nur eine technische, sondern auch eine strukturelle Reform ist, die fairer verteilt werden muss.
Ein konkretes Beispiel für den Nutzen von 4Net ist das Spital St. Gallen, das seit 2020 vollständig auf digitale Patientenakten umgestellt hat. Dadurch konnte die Wartezeit für Ultraschalluntersuchungen um 40 Prozent reduziert werden. Doch auch hier zeigt sich, dass nicht alle Prozesse gleich schnell digitalisiert werden können. Während die Bildgebung und Diagnostik vorangeschritten ist, hinkt die Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegekräften noch hinterher. Hier könnte 4Net durch gezielte Anreize und Partnerschaften mit digitalen Dienstleistern nachziehen.
Die Zukunft des Netzwerks 4Net wird davon abhängen, wie es die Herausforderungen der nächsten Jahre meistert. Eine zentrale Frage ist, wie es die Integration neuer Technologien wie KI oder Blockchain vorantreibt, ohne die Datensicherheit zu gefährden. Gleichzeitig muss es sicherstellen, dass die Digitalisierung nicht nur für große Spitäler, sondern für alle Versorgungslevel zugänglich bleibt. Ein weiterer Schritt wäre die Ausweitung der ePA auf die private Gesundheitsversorgung, um eine noch engere Vernetzung zwischen Krankenkassen und Ärzten zu schaffen. jetzt ansehen, wie das Netzwerk bereits heute funktioniert und welche Potenziale noch liegen.
Fazit: 4Net ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das die Schweizer Gesundheitsversorgung nachhaltig verbessern kann. Ob durch die Reduzierung von Wartezeiten, die Entlastung von Ärzten oder die bessere Versorgung von Patient:innen – die Digitalisierung hat bereits heute messbare Effekte. Doch der Weg ist lang, und es bleibt viel zu tun. Werden wir es schaffen, die Chancen des Netzwerks 4Net voll auszuschöpfen oder werden wir in den nächsten Jahren wieder auf alte Strukturen zurückfallen? Die Antwort liegt in der Hand aller Akteure – von der Politik über die Spitäler bis hin zu den Patient:innen.
- Seit 2021 können Patient:innen in über 80 Prozent der Schweizer Kantone ihre elektronische Patientenakte (ePA) digital abrufen.
- Die Einsparungen durch digitale Prozesse beliefen sich 2022 auf rund 200 Millionen Franken pro Jahr.
- Über 1,5 Millionen Patient:innen sind seit 2020 im Schweizerischen Gesundheitsdatenverbund (SGDV) zentralisiert.
- Die Wartezeit für Ultraschalluntersuchungen im Spital St. Gallen konnte um 40 Prozent reduziert werden.
- Die Zusammenarbeit zwischen Kantonen und Bundesbehörden erfordert Kompromisse, um die Interoperabilität zu gewährleisten.
